29. April 2011

26. April 2011

Noch etwas hinzuzufügen?

Eine Freundin fragte auf Facebook, was wir wohl machen würden, wäre morgen plötzlich alles gut. Eigentlich könnte ich mir ein Leben aus Schlafen, Essen, Liebe machen und Darm entleeren dann ganz gut vorstellen.
Schriebe ich dann noch?
Klar, zwischen Darm entleeren und Liebe machen und Orgasmen beim Frauenarzt.
(Müsste man dann noch zum Frauenarzt, wenn alles gut wäre? Müsste man dann noch den Darm entleeren?)
Ich hab übrigens letztens beim Parlandoparkgedichtewettbewerb mitgemacht, bin zweite geworden und das war

22. April 2011

Aus der Kategorie 2 Minutengedichte: Zwischen unten von oben und hässlich und ganz oben von unten von schön

Dein trauriger Klang am Telefon
Deine Einladung
Deine Wärme
Unser Lächeln
Lautes Lachen
Stets.

Und das Hochgucken dann
im grauen Osten,
in dem die Sonne immer am schönsten
nicht auf und nicht unter
nicht oben nicht unten
nicht schön
nicht hässlich
sondern Unser liebstes, Gewöhnliches
(Strahlenspiel spielt)
.
Wenn wir zu laufen im viel zu frühen Sommer in der Stadt.
Wenn wir uns unterhaken
und es kühl wird,
um die Füsschen.

(die stadt flüstert immer dann wenn unsere gespräche am lautesten sind so dass wir nicht zuhören die stadt wird ganz verlegen wenn die aufmerksamkeit auf sie gelenkt ist dann wird sie trunken und laut lieber leise sein damit wir denken es sei alles einfach so schön und hätte nichts mit der stadt zu tun und wir müssten gehen hin wo es strände gibt um glücklich zu sein)

21. April 2011

Über Tupperware

Als ich ungefähr sieben Jahre alt war, veranstaltete meine Mutter eine Tupperparty.
Ich freute mich auf eine Party am Nachmittag, aber ich durfte gar nicht teilnehmen. Es würde mich nur langweilen, es sei eine Party für Erwachsene.
Stattdessen sollte ich mit dem Sohn einer Partygästin spielen, der in meine Klasse ging, den ich jedoch nicht mochte. Er hieß Daniel und war groß und blond. Offenbar hatte ich mit sieben noch einen anderen Männertyp als heute. Wir aßen zusammen eine Fünf-Minuten-Terinne, da es auch eine Party ohne Essen war. Er schenkte mir ein Flaschenschiff und eine Tafel Yogurette, ich mochte nicht mit ihm spielen. Es war ein grauenvoll langweiliger Nachmittag, ich hab ihn zitronengelb-hummer in Erinnerung, aber ich war traurig, als mir zwei Tage später das Flaschenschiff zerbrach und ich eine Erdbeerenallergie entwickelte.
Hinterher hatten wir viel Tubberware, ich mag Tubberware nicht, ich finde es sympathisch, dass mein Mitbewohner sie nicht anfassen mag.
Ich fuhr mal, fast zwei Jahrzehnte später mit einem Buch, einer Tubberwaredose und einem gebrochenen Herzen in einem Berliner Nachtbus nach Hause. Und es ärgerte mich, dass ich die Tubberware noch abwaschen musste, am nächsten Tag. Fett auf Plastik ist wirklich eklig irgendwie.

19. April 2011

Manchester, Spring 2011, oder Aus der Kategorie "Und für uns bleibt nur das schöne Leben": Mein Herz ist wie Toastbrot und die ganze Geschichte hier schmeckt langsam nach Essig.

Scratch my name on your arm with a fountain pen (This means you really love me)
So unrealistisch und zuckersüß wie die ewige Schulhofliebe mit dem Tintentattoo waren meine Tage in Manchester.
Es scheint mir, hier leben nur StudentInnen, die ihr bisheriges Leben nur danach schmachteten, in die Pilgerstatt des Heartbeats und Riffs ihrer Jugend (also Smiths, Oasis und so) zu ziehen, um hier alle Entbehrungen ihrer langweiligen Heimatstädte durch maßlosen Konsum schöner, also wirklich schöner Dinge zu sühnen.
Und ich mach einfach mal ein paar Tage mit.
Bin beinahe allein unter Deutschen bei Portugal The Man , da sie dort ein Vielfaches mehr an Popularität besitzen als hier.
Feiere mit ErasmusstudentInnen und Couchsurfern so Lagerfeueraction, um den Tipp für meinen neuen Lieblingsort zu bekommen.
Die Islington Mill in Salford. Salford liegt neben Manchester und hat einen schlechten Ruf, der ihm großartige Werbemöglichkeiten für eine verruchte Alternativkultur und verbotene Schönheit einbringt. In der Islington Mill findet am Sonntag, dem 10. 04. ausgerechnet ein Tag der offenen Tür statt, der neben einer Veggieband, die gleichzeitig mit Gemüse Musik macht und kocht, mir einen wundervollen Abend eröffnet, an dem unter anderem Stealing Sheep spielend teilnehmen. Sie mögen sich erinnern, ich rezensierte vor etwa einem Jahr ihr Konzert und ihre erste EP "What if the Lights went out" und fand, sie sollten Menschen werden, anstatt herumzunymphen. Und siehe da, sie haben eine neue Gitarristin, sie seelen und werden von den Indieprinzessinnen zu Harmoniesängerinnen , die die Schönheit des Lichtes in die heruntergeklappten Lichtschalter per Wunderkerzenfunken sprühen und brauchen kein Märchen mehr, können viel mehr endlich sympathisch sein, ohne forever niedlich zu bleiben. Frau ist nun bei Rough Trade. Ein Sieg für ein selbstbewusstes Frauenbild und die Popmusik! Ich bin begeistert!
Es geht weiter mit Austra. Ich habe selten eine Band gesehen, deren Sängerin ein derartiges Lady Gaga Imitations-gehabe an den Tag legt, deren Lyrik an den Gipfel der Dämlichkeit grenzt (man muss schon eine besondere Veranlagung zur Peinlichkeit haben, um "fire" auf "desire" zu reimen), deren unbarmherziges Schlagzeug und wundervolle, kräftige (oh mann, ja, es gibt Menschen, die noch singen können!) Stimme mich so verzaubert, dass ich mir wünschte, die Tante in durchsichtig und ohne Hose würde mich direkt nach Hause begleiten, neben meiner Badewanne stehen, mir ein Räucherkerzchen anzünden und mich erschauern lassen.
Dass Stimmen das noch können, ohne zu nerven!Entschuldigung, Regina, entschuldigung, Marina, ich verlasse mal kurz die übersensible Welt der Alltagsgefühle und emotionaler Intelligenz, ich habe mich für die dunkle Seite des narbigen, simplen, mir in den Bauch tretenden Verlangens entschieden. So dunkel ist es, so dunkel auch wie der tägliche Earl Grey,
so dunkel ist der Weg zu Fuß von Salford, der verbotenen Stadt, der "other City", zurück ins nächtliche Manchester.
Teegeschmack auf den Lippen. Essigschips brennen auf der Haut. Mein Herz ist wie Toastbrot: Schwammig, nicht gerade kompakt, unheimlich tasty und dennoch ohne viel Substanz. Zumindest hier, wo nichts real zu sein scheint, ich mich umsehe und im Kopf meinen Kleiderschrank durchgehe, um etwas vom Stil der roten Backsteinreihenhäuser an meinem Körper durch das graue Berlin zu tragen.
Beim Kurztrip nach Liverpool werde ich sogar fast religiös, so irreal ist die ganze Situation hier. Zuviel Musik und Mode und gutes Wetter und zu wenig Sorgen für mein tortured mind.
Doch als ich wieder da bin, muss ich husten. Und sehe mich um. Es ist Frühling, verdammt.
Ja, so läufts, und so wirds weiter laufen, denn der Teufel scheißt auf den größten Haufen.

17. April 2011

Eine weichere Welt, die sich die Stirn an der eigenen Ironie aufschlägt.

Meine Passion für a softer world ist sicher kein Geheimnis. Meine antivisuelle und Pro-Texteingestellte Wahrnehmung führt mich jedoch auch immer wieder zur Sehnsucht nach Mehrschriftlichkeit des Texters Joey, wie zum Beispiel zu diesem Livejournal, welches so grausam, witzig und herzig ist wie die Texte in den a softer world comics.
Eines meiner Favoriten, auch textmäßig von diesen ist übrigens, oh Wunder, die Abtreibungsparty.
Übertroffen in freundschaftlich-knuffender Bösartigkeit und Seelentrostkombination vielleicht von Rauhfaser Sarahs Weisheit.
Und als Abschluss des Kaspers um psychischen Unmut, ich habe mir gestern ganz viel In Treatment reingezogen und seltsamerweise hat der reine Anblick fiktiver Psychoanalyse bereits den Effekt einer Psychoanalyse.
Endlos rekursiv und dann return.

15. April 2011

Doch!Ort

Unten am Hügel, neben dem Zelt am Meer, im Zentrum des Gebirges, beim See, in Deiner alten Kleinstadt, in Deinem Ex-Lieblingslokal, in den Texten einer längst nicht mehr gehörten Band, auf Deinem Che Guevaragürtel und in Deinen ersten Chucks, unterm Moos verborgen, auf Deiner Lichtung, liegt Doch.
Du hattest einst Utopia gesucht, gelesen darüber, dass es "Nicht-Ort" bedeutet und dann hast Du Deinen Glauben an Utopien und Ideale gleich wieder verloren, an diesem Nicht-Ort und später festgestellt, dass Du sie leicht wiederfinden kannst, am Doch-Ort.
Manchmal ist das ganz schön erschreckend, Doch, wenn Du siehst, dass Du dort vielgestaltig in mehreren Lebensjahren herumläufst, dass Du Dich schämst vor Deinem Schnodder an der Nase, Deinen dreckigen Gummistiefeln, Deiner betrunkenen Taumeligkeit. Aber ab und zu wirst Du dich mögen, wie Du debattierst und lachst, das erste Mal küsst, das erste Mal Ananas frisch und nicht aus der Dose isst, nackt schwimmen gehst und jemand Deiner betrunkenen Narrenweisheit Recht gibt.
Aber Du bist jetzt im Hier und Du bist klug geworden, klug und pluralistisch und abgebrüht, und postmodern und sexy, und Du tust gut daran, Doch mal schnell wieder zu verlassen und Dein Cola-Weizen auszutrinken, damit Du Nostalgie schnell wieder gegen Melancholie eintauschen kannst.
Dann guckt Du hoch an all den bunten Plattenbauten und grinst schief in die Wolken hinein, und ein Passant wird Dich streifen und wegen Deinem verträumtem Lächeln an sein Doch verschwinden und sei gewiss, ganz nett von Dir, dass Du ihm diesen Moment Reise aus dem Hier gegönnt hast.
Es ist übrigens Dein Leben im Hier, doch. Das bist wirklich noch Du. Kein Wunder, dass Du Dich nicht erkennst, bei all den Häutungen, die Du durchgeführt hast, bei all den Orten, die Du wechseln musstest, beim Verlust intellektueller Hinterbühnen.
Und Du weißt manchmal nicht, ist das lächerlich, ist das liebenswert, ist dass Dir peinlich, ist das kitschig, ist das egozentrisch, aber doch, es erregt Dich ungemein, wenn ein Teil Deines Selbst Dir manchmal ins Ohr haucht:
Doch.

14. April 2011

Und aus der Kategorie Prätentiös Poetisch: Wood

"It's that crazy! I've lost my key, again!"
Joanna cried and kicked angrily at her bike. It was last week, she lost the key to her bike, had to break her own lock, looking like a thief. Why was this happening now, while she was walking around in the rain on the other side of the town. It had to be there! What was she doing here anyway? She already had known, that it is absolutley meaningless to talk to him; it would be the same everytime they were together! He didn't change at all. Her brain did understand, but her heart stucked in some way.
What was this? She found something in the inside pocket of her bag.
It felt so soft and so natural on the one hand, on the other so rough and tough. Was it some kind of wood? How was it put into her bag?
"Oh!", she laughed as she recognized that it was one of the expensive cigarillos she stole with Peter last summer from her father's house. They walked a long way from home then, to find the right place at the river to sit down, smoke and talk about utopic things.
But summer was gone now, the river was nearly frozen, since November came with its cold and hard spirit, which carries all your hopes and wishes for the future in the backyard of your life.
But it's always good to smoke when you're feeling like shit. Her hands were so cold, when she took out the lighter and lighted the last cigarillo. She leaned against the wall of her ex-boyfriend's house. Wasn't that ironic? It was no option to go into the house again. She had to go home by train and come back tomorrow to brake the brand new lock again. FUCK!
Imagining herself in summer, smoking with Peter, it was hard for her not to think of the photos he had taken of her. Her full face, her profile, a view of her hand, holding the cigarillo. Wearing a white top. He always liked her dressed in white. And her chain of white pearls, which was from her grandmother. He liked to call her "Girl Anachronism" because he thought she was more like a Hollywood-lady from the fifties than a postmodern girl. Wow, so many things, he said, she was, she acts, she wanted...
All the things he said while they were smoking on expensive cigarillos. The made her forget, how she defined herself. All the photos he had taken, they made her forget how she looked.
His camera became her mirror. Now she was smoking alone. And she recognized: She was a girl, who lost the keys to the lock of her bike very often, who leaned at the wall of her ex-boyfriends house in November and smokes on her father's expensive cigarillos. She looked quite good. Desperation suits every postmodern girl.

13. April 2011

Ein Geruch und Gefühl von Regen, ein Geräusch von Bürokratie und im Wind der ratenzahlenden, hektischen Faulheit

"Ich bin krank gewesen und habe gearbeitet." sage ich selbstverständlich, als die Bibliothekarin mich, mitleidig, zugegeben, fragt, wie denn die dreistellige Summe an Bibliotheksgebühren zustande kommt. Merkwürdigerweise schäme ich mich gar nicht, denn ich bin wirklich krank gewesen und habe gearbeitet. Am Ende bin ich verreist. Mehr dazu mit Bebilderung bald.
Das Schreiben hat mir tatsächlich gefehlt, ich habe gehadert, was dieser Blog noch will und soll. Ich habe keine Lust mehr, Seelenvoyeure zu bedienen und Tagebuch kann man tatsächlich auch auf Papier schreiben. Jedoch versichert er mir meine Existenz und allein die Möglichkeit, in ein Außen zu treten, lässt mich mehr leben. Ein bisschen.
Zudem sind die letzten Wochen geschäftig und produktiv gewesen, ich habe mein Soziologiestudium abgeschlossen und auf Grund von Entzugserscheinungen werde ich populärsoziologisch vor mich hinbloggen, wenn mir der Sinn danach steht.
Neue Musik habe ich auch entdeckt, dem Theater bin ich aktiv und passiv treu geblieben, nur dem Schreiben, ja dem Schreiben bin ich abseits von Fragmenten fremd gegangen. Ich wollte wohl mal probieren, ob es ohne auch geht, ob ich es wirklich brauche, oder ob es zu meiner prätentiösen baskenmützenartigen Erscheinung schlicht die Hutfeder am Zylinder darstellt, während ich den Zylinder lässig in der Hand halten muss, weil die Baskenmütze den Kopf bereits besetzt. Die Wahrheit ist: Ich brauche den Zylinder, ob mit oder ohne Hutfeder. Oft habe ich Angst, dass mein Innen nur für mich so groß scheint, für alles Schriftliche zu klein ist. Aber es muss von innen nach außen, um blutig und organisch zu sein, und es muss raus, es muss raus und es soll ja auch.
Interessant in diesem Kontext ist auch, dass ich gerade meinen dritten Essay zu Jean-Améry verfasse, und wie es aussieht, geht die Entwicklung von einer literaturherzblutigen Betrachtung literarischen Engagements über die Manifestation kämpferisch Anti-deutscher Gesinnung mit winzigen Ansätzen zur Reflektion, die aber trotz hervorragender Benotung nicht allzusehr dazu beitragen den Peinlichkeitscharakter des Pamphlets zu verringern, bis zum sehr wahrscheinlichen Versuch, eine deutsch-jüdische Vergangenheitsbewältigung mit wissenschaftlicher Distanz zu betrachten. Ich guckte mir diese akademische Präferenz meinerseits teils amüsiert, teils verschämt errötend an um den Plan zu fassen, sie weiterzuführen. Anscheinend lässt sich hier ganz gut mein jeweiliger Status quo ablesen.
Geschäftig und produktiv geht es weiter, Don't Panic weiterhin als Leitsatz, den Regen im Ohr. As long as there is something to laugh, my life can't be that bad.

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