25. Januar 2011

Es ist Dienstag.

Ein ureigenes Misstrauen gegen Dienstage hege ich seit frühester Kindheit. Ich kann das soweit zurückführen, dass es Kindergartensport gab, dienstags, und später Mathe und Werken, dienstags, und im Gymnasium sicher auch nochmal Sport, dienstags.
Meine von fremder Vorherbestimmung bislang unergründliche Konditionierung gegen Dienstage durch das Auffordern, Kopfstände zu machen, auf einem Bein zu stehen, und zur Strafe für Inkompetenz dessen von der Kindergärtnerin verarscht und gedemütigt zu werden, durch unkreative Textaufgaben und Metallbaukästen, Gymnastik- und Tanzklausuren, wurde gebrochen, als ich "See you next Tuesday" von Mikrofisch das erste Mal hörte und mit diesem Song das Unileben begann.
Was kann auch schöner sein, als zu glauben, man sähe jemanden am nächsten Dienstag wieder, egal, was passiere?
Und was mache ich heute, wenn der Song überhört ist, der Stundenplan nach 5 vergangenen Semestern natürlich ganz anders, Dienstage in Liebe und Hass und Verzweiflung vergangen, die Vorhersehung wieder Böses mit mir vor hat, mein Badezimmer schwemmt, mir Clubmate in der Bibliothek verbietet und dunkle Gedanken zulässt? Ich werfe mir meinen Künstlerponcho über und schreibe einen Blog, der unter dem Deckmäntelchen der Schicksalsschwangerheit und des Musiktipps simpel meine augenblickliche Unzufriedenheit zum Thema hat. Ich gebe zu, die Tarnung war ziemlich dürftig.

Kommentare:

  1. Früher waren die „Fragen an Radio Eriwan“ sehr populär, und ohne da Einzelheiten erläutern zu wollen, lautete eine dieser Fragen: „Bringt es Unglück, an einem Freitag, dem 13., zu heiraten.“, und die Antworten, die sonst mit „Im Prinzip…“ begannen, lautete dieses Mal: „Unbedingt. Warum sollte dieser Tag ein Ausnahmetag sein?“ Oder der Dienstag… Es gibt so Tage, es gibt oft zu viele davon, meistens. Nur: wenn diese Erkenntnis solche Beiträge zur Folge hat wie ich gerade einen bei Dir lesen durfte, bin ich es zufrieden am Schluss, Andreas

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  2. Es gibt solche Tage und tolle Sonntage und es ist sehr schön zu hören, nicht nur angeblich, dass Dir auch solch ein Beitrag gefällt!
    Bis bald,
    Regine

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