6. September 2010

Der Kater, der nie schnurrt

sondern immer gleich kratzt und beißt, heißt Gedankenkater. Vor ein paar Stunden riss mich der Anruf meiner Mutter aus dem Schlaf und ich stellte fest, ich hatte ihn mal wieder. Es ist schon schlimm genug, mit einem Alkoholkater und/oder einem Rauchkater im Bett zu telefonieren, der Gedankenkater aber toppt alles. Denn eigentlich möchte er ja nur gestreichelt werden, mit Tränen und emo dicht an ihn gekuschelt, damit er dann sanft vom Knie und aus dem Bett gepurzelt und den ganzen Tag mal metaphorische Katze metaphorische Katze sein gelassen werden kann. Aber er braucht eben für den Moment des Streichelns volle Aufmerksamkeit, keine Teilung durch ein Telephongespräch. Dann wird er, obwohl ausgedacht, wie jede Katze, launisch und kratzt noch viel mehr.
Bei einem Alkoholkater soll man entweder etwas Fettiges essen oder eine Bloody Mary trinken, bei einem Rauchkater am Besten viel unalkoholisches trinken und einfach eine Weile nicht mehr rauchen. Joggen gehen, wie ich gestern versuchte, gegen ihn anzukämpfen ist jedenfalls keine gute Idee, viel mehr wird einem die eigene, beschleunigte Sterblichkeit einmal deutlicher bewusst.
Doch wie vorgehen gegen den Gedankenkater? Sport treiben wäre hier wohl angebrachter, doch dafür fehlt mir die Zeit. Ihn in Bloody Mary zu ertränken wäre eine super Idee, aber dafür ist die Arbeit, die heute zu tun ist, zu kopflastig. Fettiges essen hatte ich ebenso in den letzten Tagen genug- aber der Gedanke daran gibt mir einen ganz guten Ansporn, es ähnlich wie beim Alkoholkater, in dem man mit Bloody Mary sanft den Alkohol durch Alkohol ersetzt, den man nicht so doll merkt, der den Kater aber betäubt, den armen, die schwerwiegenden Gedanken einfach durch andere, auch schädliche, aber etwas leichtere zu ersetzen:
-Oh, habe ich schon wieder um die Hüfte herum zugenommen?// Daran sind bestimmt nur die Popcornshrimps von Samstagabend schuld. Und das Bier und der Wein und die Vokü... Warum esse ich denn überhaupt Popcornshrimps? Das muss aufhören. Wenigstens war die Vokü vegan.// Oh, in acht Jahren und 12 Tagen werde ich 30. Muss ich ja noch ordentlich was tun, vorher. So Geld verdienen und Kinder kriegen und zu rauchen aufhören und damit, Pink zu mögen. Das geht ja gar nicht ab 30. Und exzessresistentfähig sollte ich wohl auch werden//Warum kann ich keine Quarktorte wie meine Oma backen?//Ist mein blaues Kleid wirklich zu gediegen für die Lesung?// Das sieht nuttig aus, nur so mit Strumpfhose? Oh, wie laufe ich denn durch die Nacht?//
Ach halt, dafür war das Gespräch mit meiner Mutter also da. Katze vom Bett, ich am Schreibtisch und gleich in der Bibliothek.

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