17. Oktober 2010

Bakterienherde

Auf der Party gestern abend hätte ich wohl aus mehreren Gründen nicht sein sollen. Der erste ist Pfirsichlikör-Sekt-Wodka-Bowle. Obwohl meine Mutter mich schon früh vor der Heimtückigkeit dieser gewarnt hatte, erwecken die aufgeweichten Dosenfrüchte in mir automatisch unschuldige Kindergeburtstagsassoziationen, die mich den Alkohol geschmackstechnisch in Saft verwandeln lassen.
Der zweite ist die Wohnhaftigkeit einer Biotechnologiestudentin in der gastgebenden WG. Von Gesprächen über schicke Seifen kommt man auf Schaumbäder und Badewannen und ob der Reinigung dieser finde ich mich plötzlich in einem Gespräch über Bakterien wieder.Die lauern überall. Vor allem, da, wo man Entspannung von Alltagsneurosen sucht, im Bett zum Beispiel.
"Aber, wenn man den Kopfkissenbezug auf 60 Grad wäscht, dann sterben die Bakterien doch!"
"Absoluter Blödsinn", jauchzt sie sadistisch grinsend. "Das solltest du aller drei bis vier Monate wegschmeißen!"
Ich richte mich ein wenig von dem fremden Bett samt Tagesdecke und einigen Kissen, auf dem ich gerade ruhte, auf.
"Milben fressen deine Hautschüppchen und weißt du, was richtig schlimm ist? Schwämme! Schöne, feuchte Haushaltsschwämme! Das lieben Bakterien! Außerdem ist es im Klo sauberer als in deinem Kühlschrank!"
Meine Nacht war schrecklich. Um 7 Uhr wache ich auf, ich weiß nicht warum. Vermutlich, weil mein Kopfkissen plötzlich so merkwürdig stinkt! Aus dem Fenster blickend stelle ich fest, dass es tiefschwarze Nacht ist und dass das noch vor ein paar Monaten nicht denkbar gewesen wäre, im Dunkeln nach Hause kommen, 4 Stunden schlafen und dann immer noch kein Morgenpink. Auf der Toilette fühle ich mich wohl, während ich den Saft aus dem Kühlschrank herunterwürgen muss. Ich lege mich auf mein widerliches Kopfkissen und träume noch ein paar Stunden von riesigen Insekten, die überall in der Wohnung lauern, um mich anzufressen. Am wohlsten fühlen sie sich rechts von meinem wirren Nischel.
Erwachend und glücklich, dass alles nur ein Traum war, wasche ich meine Teetasse auf. Mit einem feuchten Schwamm. Oh, was tu ich denn da? Ich lasse den Schwamm fallen und überspüle das Gefäß mit einer halben Flasche Spülmittel. Gute, alte Chemie!
Erleichtert trinke ich den Tee und beginne zu arbeiten.

Kommentare:

  1. http://www.daskochrezept.de/news/untersuchung-mehr-bakterien-im-kuehlschrank-als-auf-toilette_938.html

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