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6. Mai 2013

Dame in Rosé

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Ein Abend, um alle Texte voll Sehnsucht zu lesen,
und alle Neigen auszutrinken,
die Stummel aus den Aschenbechern zu klauben,
eine nach der anderen auszurauchen,
im Lau zu versinken und im Nachtzug zu ertrinken.

Am liebsten mochtest Du mich,
als ich alles vom Tisch wischte und meine Stimme auf dem Papier laut erhob.

Ich habe gelernt, lautlos zu schreiben,
ganz ehrlich, so mochte ich mich auch.

Der Park gehört ihr, hier vor dem Schloss ist ihr Zuhause.
Noch der letzte Fischreiher hat von ihr gehört und der ewig junge Mann mit der Staffelei auch zu ihr.

Ich ziehe meinen kleinen Hut,
vor der Dame in Rosé,
im alptraumhaften Abendschimmer bin ich merkwürdig verwandt,
mit der alten Frau im Stoffrock,
dem plastenen Esel und dem Kristallglas in der Hand.

29. April 2013

Gerade mal Glück


Der viel gelebte Krach der Stadt
mag mich bisweilen aufzureiben.
Ich gehe aus, und unabgemeldet,
lass ich mich auf die Dörfer treiben.

Es ist bisweilen praktisch,
wenn man nur das Gepäck aufzugeben hat.
Wann findet man schon mal eine Bindung, die nur nen Euro kostet?

Ich hab den Regen im Gesicht und Wind an jeder Sonnenjacke,
und es fällt mir hier im Traum nicht ein, Gedankengläser aufzuschreiben,
Gedankenkater anzuschreiben, nüchtern, hell und wach zu bleiben.

Ich fahre durch die Nacht zurück,
lauf durch die Lichter spät nach Haus.
Ich weiß, dass die letzte Uhr auch dort noch nicht geschlagen hat,
fern noch Dörfer sind,
denn das, was wir hier „Stadt“ und „Trubel“ nennen,
„berufliche Erfüllung“, „Beziehung“, „frühstücken im Morgenrot“,
heißt auch dort gerade mal „Glück“, „Heim“ und „Abendbrot“.

21. April 2013

"WiR"- Das erste Montagsgedicht seit ewig.

 
„Wir“

Ich war nicht mal ein Punkt, ein Komma oder Semikolon,
in diesen ganzen abgefahrenen Geschichten,
deshalb freut mich das so ungemein, dass ich ein „wir“ sein kann,
in den von Dir geschriebenen Gedichten.

Ja, klar, Du hast sie nicht für mich geschrieben,
„wir“ kennen uns nicht lange und „Du“ bist mir nur eine ferne Ahnung,
mensch wird ja irgendwann bescheiden, wachsam, aufgerieben,
ich geh inzwischen arbeiten, studieren, „ich“ mach vor allem Planung.

Und wünsch mir doch nichts mehr als in einem Narrativ am Rand zu existieren-
geschweige denn in Poesie als Personalpronomen aufgeschrieben.

12. März 2012

Dieser Tage das Fenster öffnen.

Was tun, wenn die lyrischen Gedanken
sich, überfällig ausgeschlafen, wankelmütig in Prosa verwandeln?
Es bleibt die Frage am Ende der Bettkante:
Sind Neologismen und mathematische Betrachtungskonstruktionen
im Raum der Emotionen und Definitionskonstanten der Jugend,
legitime Literaturschaffungswerkzeuge oder simple Auswüchse einer
gerade erwachsen werdenden Neurose?

Ich möchte es einfach halten,
und verstecke mich nicht länger
mentholtrunken hinter
violetten Baumwolltüchern.
Ich öffne das Fenster und
atme ein und aus.
Und selbst das hat ein Metrum.
Regelmäßig.

27. Februar 2012

Mar.

oder: Who will be at Sanssouci tonight?

(Rufus Wainwright)

Und als alles explodierte,
hinter Sanssouci
waren wir genau am richtigen Ort
zur falschen Zeit.
Und als jemand sagte:
“Jetzt sterben wir. Das wars. So schön war es eh nicht.”
Da ranntest Du noch zur Tür
und ich Dir hinterher.

Ich weiß gar
nicht was ich mir dachte
hinter der Tür.

Und das Problem ist:
Dass wir so klein sind.
Luken nur hinter der schmalen Digitalanzeige hervor.
Keen Format, keen Panorama.
Nur die rot-schwarze Digitalanzeige
und unsere Augen zu Schlitzen
zu Paarn
zu Hülfe.
Wir sind Phantombilder.
Die Augen zu Schlitzen
nur.

Und als ich rüber sah, da, als alles explodierte
ich weinte um niemanden
und gut, dass Du zur Tür gerannt bist
und ich einfach hinter her
obwohl ich gar nicht wusste
was ich mir dachte
hinter der Tür.

20. Februar 2012

Montagsgedicht: Lasst uns lieber Seelenintegrationsdefizite verfolgen.

Zwei Seelen wohnen ach, in meiner Brust,
die eine ist höchst strukturell,
gefällt sich selbst im Naturell,
lässt der Menschlichkeit den Raum,
den sie zum Atmen braucht,
damit es noch ein Atmen gibt.

Zwei Seelen wohnen, ach,
die eine ist höchst herzgetrieben,
getrieben, nicht gesteuert.
Dekonstruiert sich von der Seele zum Wahn
und bleibt nicht psychologisch.
Verachtet abgeschmackte Zitate,
das Wort "abgeschmackt",
und kommt nicht ohne aus.
Es fehlt ihr an Beobachtungsgabe,und Obhut.
Es mangelt ihr nicht an Poesiezwang.

Oh, Du schöne Reduktion,
auf lyrisches Chimärentum!
Was gebe ich auf Dich,
begegnetest Du mir endlich einmal
im Charakter einheitlich.

12. Februar 2012

Geschultert: Die Melancholie.

Geschultert: Die Melancholie

Alle 4 Jahre,
scheint's uns umzutreiben,
verlauteten die Eltern,
und beschlossen doch zu bleiben.

„Alle 4 Jahre, nur darauf kannst Du baun,
lass ich's mir nicht nehmen,
im Quartalstakt abzuhaun.“

Ich reise doch so gerne,
was reizt mich denn am Stehen?
Flüster ich mir leise und vermag noch nicht zu gehen.
Geschultert: Die Rastlosigkeitsmelancholie.
Tränen wisch ich mir vom Aug,
mit ihrer eignen Melodie.

Ich sage: Es wird Zeit! Berlin steht ohne mich.
Ein jeder lässt die Leinen los,
auf die ihm eigne Weise,
vielleicht reis ich lieber leise,
und noch eins weiß ich nicht,

Reise ich für zwei,
Reise ich für Dich?

31. Januar 2012

Dienstag ist wie Montag: Bookishs Predigt.

Jedes Wort in den Bücherschrank!
Leichtes in Fach eins, Geschätztes in Fach zwei,
in der Mitte, was man nie gelesen hat,
und was man lieber nie gelesen hätte,
Schweres unten.

Eine Anhäufung von Buchstaben, die zu Worten wird,
zu Büchern, zu Schrank.
Oh, Metamorphose!

23. Januar 2012

Montagsgedicht: Keiner kann eben.

Eine neue Kategorie als Hommage an Mascha Kaléko, deren Schaffenskraft einst angekurbelt wurde, durch die Veröffentlichung von Montagsgedichten, Woche für Woche, in der "Vosschen Zeitung."

Ein Gedanke um halb zehn
Ganz schön früh jetzt
rügt mein Kaffee.
Ob ich es schaffe ihn fest zu halten,
ohne aus dem Haus zu gehn?

Schon vergessen
vielleicht nie gewesen
durch den hintersten
U-Bahneingang.
Flüchtig noch beim Mittagessen.

Dann mein Versuch, Fast-Food langsam zu schlucken.
Geniesen und mal gucken, ob das geht.
Es findet sich immer einer
der vor der Leuchtreklame
und zu dir steht.

Du spielst Klavier,
ergreifst meine Hand,
den Kandiszucker,
die gepunktete Tasse.
Ich komme zu dir.

Allein
zwischen uns bleiben
Kippen.
Die Haferkekse,
Der Bio-Earl-Grey.

Ich wähne, ich bin ziemlich romantisch
bisweilen,
und kippe den Froschreiniger
chlorfrei und giftgrün,
summend ins Stacheldrahtgästewc.

17. Januar 2012

Neues vom Gedankenkater

Inmitten von Zwischenwelt
-Studium, Mutter und Vater,
wo sich's rigoros zu besaufen gilt,
räkelt sich Gedankenkater.

Hab ich's bequem, lass ich nicht zu viel liegen,
schaff ich's bis 10 noch die Kurve zu kriegen.
Lebendig zwischen Prokrastination, lernen und bangen,
nehms ich's Duell auf,
mir Ehr zu erlangen.

Feministinnenehrenwörter, Liebe und Wein,
die große Weltverbesserung,
aber billig, nicht schädlich!
soll's daneben noch sein.

Und wenn nachts um 2
dann die letzte Sirene schreit,
klopft mein Herz,
im Stakkato,
zum Stillstehen bereit.

Wenn dann noch der Kater meine schwere Brust bespringt,
flüster ich leise: "Gute Nacht, Gute Nacht"
der nächste Morgen beginnt.

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